Ricarda-Huch-Schule - Kiel

Vortrag von Herrn Martin Bergau, eines Zeitzeugen des Holocaust

Am 19. März hatte unsere Schule Besuch von einem sehr interessanten Mann. Martin Bergau, Zeitzeuge des schrecklichsten Kapitels des 2. Weltkriegs, kam zu uns, um uns von seinen Erlebnissen zu erzählen, die er als damals 16-jähriger Junge in seiner Heimatstadt Palmnicken/Ostpreußen hatte. Martin Bergau wurde am 17. Dezember 1928 in Sorgenau geboren. Obwohl seine Eltern passiven Widerstand gegen Hitler leisteten, war der junge Martin Bergau von dem Gemeinschaftsgefühl in der Hitlerjugend beeindruckt und wurde ein begeisterter Hitlerjunge. Das Judenmassaker in Palmnicken erlebte er hautnah mit und kann sich auch heute noch sehr genau daran erinnern.

Am 30. Januar 1945 geschieht eines der größten Massaker an Juden in Ostpreußen. 5000 Juden aus dem KZ Stutthof nahe Danzig werden in der Nacht des 26. auf den 27. Januar in Eiseskälte von der SS, die ihrerseits auf der Flucht vor der Roten Armee ist, nach Palmnicken getrieben, um dort in den Bernsteingruben lebendig begraben zu werden; schon auf dem Weg dorthin sterben 2000 von ihnen durch Entkräftung und Kälte oder die Schüsse der SS-Wachen. Das menschenverachtende, bestialische Vorhaben, die verbliebenen Gefangenen lebendig zu begraben, durchkreuzt jedoch der  Hans Feierabend, Kommandeur des örtlichen Volkssturms. Er und seine 100 Männer stellen sich den skrupellosen SS- Truppen in den Weg und verhindern zunächst das qualvolle Sterben der Juden. Drei Tage lang versorgen Hans Feierabend und seine Truppe die geschwächten Menschen mit Nahrungsmitteln. Am 30. Januar scheitert der Rettungsversuch jedoch, da die GESTAPO die mutigen Männer zwingt, sich an die Front zu begeben. Dort geht Hans Feierabend in den Freitod und die 3000 in Palmnicken verbliebenen Juden werden an die Bernsteinküste getrieben. In der Nacht auf den 31. Januar werden sie auf die zugefrorene Ostsee gejagt, brechen zwischen den Eisschollen ein, ertrinken oder werden exekutiert. Etwa nur ein ein Dutzend der 5000 Juden überlebt das grauenhafte Massaker. Ein schrecklicher Einblick in die Geschichte mit erschreckenden Opferzahlen, die erst durch den Zeugen Martin Bergau und die Veröffentlichung seiner Erlebnisse publik gemacht wurden*.
Diese Erinnerungen werden ihn immer verfolgen und auch wir werden seinen Vortrag nie vergessen. Seine detailgetreuen Erzählungen gingen uns sehr nahe und haben uns sehr beeindruckt. Ein sehr trauriges Thema, über das manche Zeugen selbst heute nicht reden können. Doch genau das wäre wichtig, um uns einen möglichst ehrlichen und wahrheitsgemäßen Eindruck zu vermitteln, so wie es Herr Bergau tat.

(*Martin Bergau, Todesmarsch zur Bernsteinküste, Universitätsverlag Winter, 2006)

Miriam, Amelie, Caro und Jette, Klasse 10a